„Mein Urgroßvater war Häftling im KZ“

In der Stunde der Nachbesprechung des Besuches der KZ-Gedenkstätte Dachau gab es in der Klasse 10a einen für die Schülerinnen und Schüler sowie für mich sehr besonderen Moment.

Maximilian Schmidt hatte zur Geschichtsstunde Erinnerungsstücke seines Urgroßvaters Willibald Schmidt dabei. Willibald Schmidt, geboren am 09. April 1908 in München, war Mitglied der KPD und wurde 1935 erstmals im KZ Dachau inhaftiert.
Nach und nach betrachteten wir gemeinsam diese Dokumente und Erinnerungsstücke, die Maximilian von seiner Oma, der Tochter von Willi Schmidt erhalten hatte.
Der erste Blick fiel auf die Häftlingshose mit dem roten Winkel für politische Gefangene mit der Nummer 5971. Dann kam die Entlassungsurkunde vom 22.Oktober 1937 zum Vorschein. Wir sprachen darüber, dass Häftlinge bei der Entlassung aus einem Konzentrationslager unterschreiben mussten, über die Zeit ihrer Inhaftierung zu schweigen, da ansonsten die erneute Verhaftung drohte.

Die Häftlingshose mit dem roten Winkel für politische Gefangene und der Häftlingsnummer

Ein persönlicher Brief von Willi Schmidt an seinen Bruder Hans Schmidt in München Großhadern zeigte, dass nach der Entlassung 1937 eine erneute Inhaftierung ins KZ-Buchenwald für den Urgroßvater von Maxi erfolgte.

Entlassungsurkunde aus dem KZ Dachau 22.Oktober 1937

Der Brief war vom 11.Februar 1945, zwei Monate vor der Befreiung des Lagers durch die Sowjetarmee. Ich las den Brief mit Einwilligung von Maxi vor. Sein Urgroßvater ahnte wohl, dass der Krieg nicht mehr lange dauern würde und hoffte nach 11 Jahren KZ-Haft seine Familie wiedersehen zu können. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Er erlebte nach dem Krieg das Aufwachsen seiner Tochter, Maxis Großmutter.

Doch ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 1960 zeigte, dass Willi Schmidt sehr krank aus seiner KZ-Haftzeit nach Hause kam. Tbc, eine Lungenerkrankung, die damals nur schwer geheilt werden konnte, führte zum frühen Tod von Willibald Schmidt im Jahre 1960. Der Zeitungsartikel zeigte das bittere Schicksal vieler europäischer Familien in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts auf. Maximilians Urgroßvater hatte vier Brüder. Sein Vater starb im Ersten Weltkrieg, ein Bruder starb in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929, zwei Brüder im Zweiten Weltkrieg und sein Bruder Otto mit 46 Jahren ebenso wie er an den gesundheitlichen Folgen der KZ-Haft.

Der Zeitungsartikel über Tod von Willi Schmidt und dessen Familiengeschichte

Zum Gedenken an die schlimme Zeit der Haft nahm Willi Schmidt gemeinsam mit ehemaligen Häftlingen des KZ-Buchenwald an Weihnachten in den 50er Jahren mit dem britischen Radiosender, der BBC, eine Sendung in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus auf. Eine Abschrift des Manuskripts der Radiosendung war das letzte Originaldokument in dieser Mappe.

Ich danke Maximilian und seiner Oma ganz herzlich für das Vertrauen, dass wir diese Dokumente in den Händen halten durften.

Gegen das Vergessen! In Erinnerung an eine schlimme Zeit. NIE WIEDER!

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